Wie Sie “wahre” von “falschen” Gedanken unterscheiden können

“Wie erkenne ich ‘eingeimpfte’ Gedanken mit denen ich mich ‘unbewusst’ identifiziere von tatsächlich eigenen Inhalten?”

Diese Frage wurde uns von einem BossImKopf Stream Zuschauer im letzten Livestream gestellt.

Da ich aus etlichen Kommentaren, Emails und Gesprächen weiß, dass es vielen Menschen schwer fällt, zwischen eigenen, “echten” und “eingepflanzten”, konditionierten Gedanken zu unterscheiden, habe ich darüber einen Artikel geschrieben.

Bevor ich jedoch auf die obige Frage eingehe, möchte ich kurz die ebenfalls häufig gestellten Fragen beantworten: Warum denken wir negativ? bzw. Woher kommen negative Gedanken?

Warum wir negative Gedanken haben und woher sie kommen

Die Frage ist auf dem ersten Blick relativ einfach zu beantworten: Alle gemachten Erfahrungen, und das fängt bereits im Mutterleib an, haben Einfluss auf unser Denken.

Hinzu kommen noch viele andere Einflussfaktoren, die unser Denken mitbestimmen. Beispielsweise unser (angeborenes) Temperament, körperliche Gesundheit, Resilienz (psychische Widerstandfähigkeit), die Einstellungen unserer (Groß-)Eltern, Geschwister, anderer Verwandter, Freunde, Lehrer, Klassenkameraden usw.

Zusätzlich wirken bspw. Zeitepoche, Kultur, Wirtschaftsform oder gesellschaftspolitische Verhältnisse sw. Medien (Filme, Internet, Fernsehen, Werbung, Bücher u.a.) auf die Art und Weise wie wir denken.

Die 10.000 Werbebotschaften (siehe Zeitschrift für Marketing: Absatzwirtschaft), die uns täglich einreden, wie wir schöner, erfolgreicher, gesunder oder reicher werden, tun ihr Übriges.

Für die meisten Menschen laufen diese “Programmierungen” unbewusst ab. Erstens, weil sie so früh beginnen und deshalb als normal empfunden werden (insb. durch enge Bezugspersonen als Rollenmodelle).

Zweitens, weil die eigentlichen “Programmierungs- bzw. Konditionierungsvorgänge” häufig sehr schnell stattfinden und mit mehr oder weniger starken Emotionen einhergehen, was ein vernünftiges Reflektieren des Geschehenen verhindert.

Wie das vorgestellte Selbst (der Troll) am Beispiel “Ich bin dumm” entsteht

Am meisten geprägt wird unser Denken jedoch in der Regel vom Verhalten unserer engsten Bezugspersonen. Wie beispielsweise die vorwurfsvolle Stimme der Mutter, der strenge Blick des Vaters oder die große Schwester, die nur gute Noten mit nach Hause bringt.

Durch mittelmäßige bis schlechte Schulnoten, spitze Bemerkungen des Lehrers oder Witze der Klassenkameraden kommen wir dann bspw. immer mehr zur Überzeugung: “Mit mir stimmt etwas nicht”, “Ich bin dumm” oder “Ich bin wertlos”.

Und wenn wir erst einmal davon überzeugt sind, dass wir dumm sind, dann sehen wir uns und die Dinge um uns herum durch diesen (gedanklichen und emotionalen) Filter. Eine verzerrte Welt, die uns täglich “beweist”, dass wir dumm wir sind.

Wir vergleichen unsere Leistungen dann nur mit den Besten und ignorieren alle anderen, die “schlechter” als wir sind. Statt unsere Erfolge zu sehen, fokussieren wir uns einseitig auf unsere Fehler und Schwächen. Und die überhöhten Ansprüche, welche wir an uns stellen, lassen uns dann häufig scheitern, so dass sich das Bild von uns als “Versager” immer mehr festigt.

Die Grundannahme “Ich bin dumm” durchdringt unser gesamtes Denken, so dass weitere verzerrte Gedanken entstehen, die uns fortlaufend “bestätigen” wie dumm wir sind: “Ich kapiere das einfach nicht”, Warum fällt mir das alles so schwer?”, “Ich müsste doch schon viel weiter sein”, “Die anderen sind alle viel besser als ich”, “Wenn die wüssten, wie ich wirklich bin”, “Ich bin falsch” usw.

Über die Zeit hinweg wird der Glaube “Ich bin dumm” zur scheinbar unumstößlichen Gewissheit. Er wird Teil unseres (konditionierten) Selbstbildes (= Troll), welches wir nicht mehr hinterfragen, wie etwa: “Ich heiße Ute, bin Bürokauffrau, 42 Jahre alt, habe 2 Kinder und ich bin dümmer als andere.”

Durch die vielen einseitigen Erfahrungen “mit dem dumm sein” hat sich über viele Jahre hinweg ein wackliges Selbstgefühl entwickelt. Es geht praktisch nicht mehr um ein situationsabhängiges Verhalten oder eine einzelne Leistung, z.B. eine schlechte Note oder eine nicht bestandene Prüfung. Sondern es entsteht ein situationsübergreifendes, ein generelles ICH (“So bin halt”), dass ich den Troll nenne.

Der Troll gibt sich als “echtes” Ich aus und führt uns auf falsche Fährten

Ziel des Trolls ist es zu wachsen oder zumindest zu überleben und so erzählt er uns jeden Tag, wer wir sind. Er “weiß” natürlich auch, wer die anderen sind. Diese Identität gaukelt uns eine trügerische Sicherheit vor, weil sie uns scheinbare Orientierung gibt. Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen an ihrem Troll (= erdachtes Ich) hängen, selbst wenn er ihnen das Leben schwer macht.

Übrigens ist der Troll ziemlich clever, denn er ist Teil unseres konditionierten Verstandes. Wenn wir nicht achtsam (bewusst) genug sind, dann gibt sich der Troll als unser “wahres Wesen” aus. Er erzählt uns Geschichten über uns und andere, die – weil wir sie unkritisch glauben – häufig zu negativen Gefühlen, wie bspw. Verletzungen, Enttäuschungen, Scham-, Schuldgefühle oder Angst führen.

Dazu passt etwa auch diese Frage von einem weiteren BossImKopf Livestream Zuschauer:

“Gibt es einen Trick, wie ich eine Trollaussage von einer aus dem ‘wahren Ich’ unterscheiden kann? Folge dann einer Aussage und werde oft negativ enttäuscht.”

Ja, es gibt etwas, auch wenn das der Troll nicht gerne hört:

Werden Sie bewusster bzw. werden Sie Schritt für Schritt mehr Boss in Ihrem Kopf.

Der Troll ist dafür bekannt, dass er weder Anstrengungen auf sich nehmen, noch regelmäßig an etwas dranbleiben will. Schon gar nicht will er sich dauerhaft verändern (verbessern), auch wenn er natürlich das Gegenteil behauptet.

Lieber jagt er immer neuen Versprechen hinterher, verlangt nach einfachen Tipps + Tricks ;-) , sucht nach schnellen Abkürzungen oder dem neusten Allheilmittel bzw. der Wunderpille. So funktioniert jedoch unser Gehirn nicht.

Zur Erinnerung: Unser Gehirn formt sich so, wie wir es regelmäßig benutzen, also ähnlich wie ein Muskel (= Neuroplastizität).

BossImKopf-unterschied-wahre-falsche-gedanken-Luschas

Ihr Körper zeigt Ihnen, ob Ihre Gedanken “wahr” sind oder ob sie vom Troll kommen

Die folgende Empfehlung kann Ihnen dabei helfen, “richtige” bzw. funktionale Gedanken von Troll-Gedanken (v.a. dysfunktionale, Stress erzeugende, selbsthinderliche Gedanken) besser zu unterscheiden.

Spüren Sie in Ihren Körper hinein. Wie fühlen sich die Muskeln in Ihrem Gesicht, Nacken, Schultern oder Bauch an?

Wenn Sie sich irgendwo angespannt fühlen, können Sie davon ausgehen, dass der aktuelle Gedanke vom Troll kommt. Was meiner Erfahrung nach in den meisten Fällen zutrifft.

Die Voraussetzung dafür, dass Sie schon leichte Verspannungen wahrnehmen können, ist jedoch ein gewisses Maß an Achtsamkeit bzw. Körperbewusstsein. Dabei können Ihnen anfangs ein Body-Scan oder einfache Atemmeditationen behilflich sein.

Denn für viele Menschen ist es normal, sich die meiste Zeit in ihrem Kopfkino aufzuhalten, so dass sie ihren Körper kaum mehr bewusst spüren, außer wenn es irgendwo schmerzt … Unbeabsichtigt füttern sie ihren Troll, der von vergangenen Geschichten, zukünftigen Vorstellungen und vor allem von Vermutungen, Beurteilungen und Dramen lebt.

Der Unterschied zwischen “richtigen” und “falschen” Gedanken

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einige wichtige Unterscheidungsmerkmale zwischen “richtigen” Gedanken und “falschen” Gedanken mit auf den Weg geben.

Mit “falschen” Gedanken meine ich v.a. extremes oder Stress auslösendes Denken. Und dieses Denken kommt uns bekannt vor, weil wir schon so lange daran gewöhnt sind. Aber wenn Sie achtsamer werden, dann werden Sie bald schon feststellen, dass diese Gedanken ziemlich aufdringlich und “laut” sind.

Ähnlich wie bei aggressiver Werbung sind diese Gedanken aufmerksamkeitsheischend”: Hier bin ich! Ich bin wichtig. Gib mir Deine Aufmerksamkeit! Wenn Du mich ignorierst, verpasst Du etwas wirklich Wichtiges!

Inhaltlich geht es bei diesen Gedanken größtenteils um Vermutungen und Beurteilungen über uns, andere und die Welt, die uns nicht selten stressen und negative Emotionen auslösen.

Dieses Denken ist häufig kindisch, unlogisch und extrem. Sie erkennen es zum Beispiel an Wörtern, wie “nie”, “immer”, “ständig”, “alle”, keiner”, “jeder” usw.

“Richtige” Gedanken hingegen entstehen meist spontan im Hier und Jetzt bzw. in einem Moment des Nichtdenkens, z.B. während einer Meditation, einer körperlichen Anstrengung, aus einem Flow-Zustand und manchmal sogar aus einer unmittelbaren Gefahrensituation heraus.

Solche Gedanken sind frisch, kreativ und vernünftig. Sie zeigen nicht auf sich selbst, versprechen und drohen nicht. Sondern sie weisen über sich hinaus, d.h. sie stoßen weitere hilfreiche Prozesse (Gedanken) in uns an. Mit ihnen verbunden ist häufig ein Zustand der Aufmerksamkeit, der Klarheit, der Ruhe.

“Es war auf einmal alles so leicht”, “Es war so friedlich in mir, obwohl ich gar nichts gemacht habe” oder “Ich wusste auf einmal, was richtig ist.”, beschreiben manche Menschen diesen Zustand. 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Boss im Kopf werden und bleiben Sie dran, denn der Weg lohnt sich :-)

BossImKopf = Klarer denken, besser fühlen, bewusster leben

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte Sie die 5-jährige Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin am IVS Fürth. Seit 2006 hilft sie ihren Klienten "Boss im Kopf" zu werden. Ihre Arbeitsweise ist integrativ, durchaus unbequem und wirksam. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich u. unterstützt den Tierschutz.

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Artikel in:  Gedanken   

Kommentare

  1. Bernd schreibt:

    Hallo Frau Luschas, das was Leni schreibt interessiert mich auch.Morgens bin ich im Bett noch total down, der Kopf schwirrt und ich fühle mich auch tagsüber mehr krank (ohne Befund) und gegen Abend komm ich mehr zu mir selbst.Das der Troll mich austrickst merk ich schon.Ich traue mich nur grad morgens nicht mich dennoch mal gelassen zufühlen.Ich bin so langsam und vorsichtig in meinen Abläufen als ob ich 100 wäre.Wobei die sicher besser drauf wären als sich mit 49.Die Gedanken beeinflussen echt enorm.Nur können körperliche Symptome denn ohne Gedanken enstehen?Also so wie morgens und später weg?

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Bernd,

      wie bereits geschrieben, beantworte ich die Frage gerne in unserem nächsten Livestream, da so etwas Komplexes in wenigen Sätzen seriöserweise nicht beantwortbar ist.

  2. Leni schreibt:

    Hallo Frau Luschas,
    in einer Facebookgruppe wurde das hier geteilt und ich hatte eine -aha Erlebnis zum Troll.Kenne etliche ihrer Videos.Was mir entweder entging oder ich nicht fand ist, morgens direkt nach dem aufwachen fühle ich mich mies, meine Ängste daslegt sich erst im laufe des Vormittags.Wie kann ich das lösen?
    Vielen Dank für Ihre tolle Seite hier.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Leni,

      das ist eine gute Frage für unseren nächsten Livestream. Wann er stattfindet, erfahren Sie im BiK Newsletter.

      Viele Grüße

    • Leni schreibt:

      Vielen Dank für die schnelle Antwort.Den Newsletter hab ich auch!.Ihre Videos haben mir schon sehr geholfen.Damit bin ich gut selbst voran gekommen.Der Musterunterbrecher ist schon ein Anker.

  3. Marie schreibt:

    So gut erklärt hat mir das niemand zuvor.Ich “dachte” abwarten ehe ich was unternehme um aus meiner Angst zu kommen ist ev.richtig.Jetzt versteh ich das der bequeme Troll!!Sie schreiben von einem Online-Kurs.Gibt es denn?Finde das irgendwie nicht.Vielen Dank und viele Grüsse.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Marie,

      der “Troll” Onlinekurs wird etwa im Mai 2018 rauskommen. Im BiK Newsletter informiere ich, wenn es soweit ist :-)

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