Wenn Sie zwanghafte oder negative Gedanken unterdrücken, werden sie häufig noch stärker

BossImKopf-Was-tun-bei-Zwang-negative-gedanken-Luschas

Dass Gedankenunterdrückung nicht gut funktioniert, wird vor allem bei Zwang deutlich.

Ein plötzlich hochkommender (negativer) Gedanke, wie z.B. “Ich habe mich gerade mit einer schlimmen Krankheit angesteckt”, erzeugt gewöhnlich große Angst.

Eine junge Medizinstudentin hat beispielsweise gelernt, dass diese Angst in der Regel nachlässt, wenn sie sich genau 12 Mal die Hände nach einer ganz bestimmten Vorgehensweise wäscht. 

Aber wenn sie versucht, den o.g. Gedanken “wegzudrücken”, kommt er häufig besonders hartnäckig zurück.

Manchmal quält sich die 24-jährige dann den ganzen Tag damit herum und bekommt von ihren Vorlesungen kaum etwas mit. Erst nach ihrem Waschritual fühlt sie sich in der Regel erleichtert.

Schlechtes Gewissen durch “falsche” Gedanken

Ganz so schlimm sieht es bei den meisten Menschen nicht aus.

Denn beim eben genannten Fallbeispiel handelt es sich um eine Zwangsstörung, bei der professionelle Unterstützung – am besten mithilfe der Kognitiven Verhaltenstherapie – anzuraten ist.

In abgemilderter Form kennen jedoch viele diese Angst vor sich aufdrängenden, negativen Gedanken.

Oftmals sind Menschen mit besonders hohen Selbstansprüchen betroffen. Weil sie häufig einen ausgeprägten Perfektionismusanspruch, einen starken Gerechtigkeitssinn oder ein übertriebenes Verantwortungsbewusstsein haben, reagieren sie auf negative “Was-wäre-wenn”-Vorstellungen besonders empfindlich.

Hierzu ein typisches Beispiel:

Die 32-jährige Manja kommt nach einem langen Tag im Büro wieder einmal erschöpft nach Hause und möchte – nachdem sie sich eine Pizza warm gemacht hat – nur noch ins Bett fallen und schlafen. Auf dem Weg zum Schlafzimmer fällt ihr plötzlich der Herd ein. “Habe ich auch alles ausgemacht?”, ein ungutes Gefühl beschleicht sie und ihr Herz fängt an zu klopfen.

Sie denkt: “Mist, das hat mir gerade noch gefehlt. Jetzt fängt das schon wieder an!” Nach einer halben Stunde und 7-maligen Kontrollieren von sämtlichen Elektrogeräten ist sie derart genervt, dass sie eine Flasche Wein aufmacht und unkonzentriert in einem Magazin blättert.

Auch dann nutzt der Troll (= konditioniertes Ego) wieder die Chance, um zu trollen.

Er versucht Drama zu schaffen, indem er ein persönliches Problem daraus machen will:

“Was ist, wenn du das nächste Mal etwas übersiehst?”, “Auf dich ist kein Verlass.”, Dann bist du daran schuld, wenn alles abbrennt.”, “Wenn die anderen wüssten, dass du solche Fehler machst, würde dir keiner mehr vertrauen.” usw.

Jetzt können Sie sich vielleicht vorstellen, wie sich Manja fühlt, wenn sie diesen Gedanken zu 100% glaubt. Die gewohnte Angst, zu versagen, ein schlechtes Gewissen und Schamgefühle stehen dabei ganz oben auf der Liste.

Und wie es dann oftmals weitergeht, können Sie sich wahrscheinlich schon denken …

Ihre Gefühle bekräftigen, dass Ihre Gedanken wahr sind

Genau.

Durch die negativen Gefühle werden die negativen Gedanken in der Regel stärker und ziehen noch mehr ähnliche Gedanken an. Dadurch entsteht eine “Horrorgeschichte” im Kopf, die wiederum die Angst und Schuldgefühle verstärkt.

Diese Art von Denkfehler wird in der wissenschaftlich fundierten Kognitiven Verhaltenstherapie auch “Emotionale Beweisführung” genannt.

Da wird nicht der Realität geglaubt, sondern den eigenen Gefühlen, die durch falsche Gedanken getriggert werden.

Obwohl sich die junge Frau mit eigenen Augen davon überzeugt hat, dass der Herd aus ist, lassen sie ihre Gedanken nicht in Ruhe. Umso mehr sie versucht, diese Gedanken nicht zu denken, desto hartnäckiger werden sie. In der Psychologie spricht man hier übrigens von “Gedankenunterdrückung”, die typischerweise genau das Gegenteil bewirkt.

Manja fühlt sich dadurch noch schlechter und glaubt deshalb, dass diese Gedanken wahr sein müssen.

Das BossImKopf Video: Wie Sie zwanghaftes oder stark negatives Denken unterbrechen können

Diesen psychologischen Mechanismus der Gedankenunterdrückung können Sie auch auf viele andere negative Gedanken anwenden.

Zusammengefasst lautet dieser: Was Sie bekämpfen, das wird stärker!

Und weil nicht nur Manja, sondern auch viele andere Menschen gewohnheitsmäßig gegen ihre negativen Gedanken ankämpfen, habe ich vor dem Hintergrund der Wartburg ein BossImKopf Video dazu gedreht.

In diesem Video erfahren Sie, dass

  • Menschen mit Zwang häufig starke Schuldgefühle, ein übertrieben schlechtes Gewissen und oft ein überhöhtes Verantwortungsgefühl haben.
  • viele “Zwängler” ihren negativen Gedanken zu 100% glauben.
  • durch den Versuch, die Zwangsgedanken zu unterdrücken (zu verdrängen), der Zwang aufrechterhalten wird.
  • warum ich bei starken Zwängen die Kognitive Verhaltenstherapie empfehle.
  • wie Ihnen eine gute Entspannungsmethode bei Zwang helfen kann.
  • wie Sie den Zwang wirksam unterbrechen können.
  • warum Sie ein Entweder-oder-Denken im Zwang gefangen hält.
  • welche Frage Sie sich stellen können, wenn negative Gedanken hochkommen.
  • dass Ihre gewohnten Gedanken Sie kontrollieren, wenn Sie nicht Boss im Kopf sind.

Um das Video zu starten, klicken sie ein- oder zweimal auf das Bild unterhalb dieses Textes. Mit einem erneuten Klick können Sie jederzeit pausieren und wieder fortfahren.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Boss im Kopf werden und bleiben Sie dran, denn der Weg lohnt sich :-)

BossImKopf = Klarer denken, besser fühlen, bewusster leben

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte Sie die 5-jährige Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin am IVS Fürth. Seit 2006 hilft sie ihren Klienten "Boss im Kopf" zu werden. Ihre Arbeitsweise ist integrativ, durchaus unbequem und wirksam. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich u. unterstützt den Tierschutz.

P.S.
Hat Ihnen dieser Beitrag oder das Video gefallen? Dann empfehlen Sie uns bzw. diesen Artikel an Ihre Freunde, Bekannte und Kollegen weiter :-)

P.P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen.

P.P.P.S.
Wenn Ihnen dieser Beitrag geholfen hat, dann tragen Sie sich auch zum kostenlosen BossImKopf Newsletter ein.

Artikel in:  Gedanken   

Kommentare

  1. UTE schreibt:

    Liebe Frau Luschas,

    ich bin zufällig auf Ihre Seite in facebook gestoßen und finde Ihre Videos großartig! Die X-Methode wende ich seit einigen Tagen an und dies hilft mir enorm.
    Gestern war der Tag für mich allerdings schwer zu bewältigen. Ich hatte den ganzen Tag über Zwangsgedanken und die Bilder die ich vor Augen hatte, machten mich extrem nervös und panisch, selbst beim Meditationsyoga. Sie hingen mit meinen Ängsten zusammen, die ich meinem Vater gegenüber habe. Ich hatte gestern Sorge, dass ich mit der X-Methode etwas von mir fernhalte, was endlich gehört werden möchte. Sollte ich in solchen Fällen die Methode sein lassen?

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Ute,

      danke für Ihr positives Feedback :-)

      Die XProzess Entspannung hilft alte negative Muster bewusst zu unterbrechen, d.h. nicht verdrängen, nicht wegdrücken oder verleugnen.

      Indem Sie sich – anstatt noch tiefer in die negativen Gedanken zu gehen – sich entspannen, destabilisieren sich – nach unseren Erfahrungen – die alten Muster mit der Zeit immer mehr.

      Aber falls es Ihnen zuviel werden sollte, dann machen Sie längere Pausen dazwischen. Wichtig ist meines Erachtens, dass Sie sich eine tägliche Achtsamkeits- und Entspannungsroutine aneignen, wie z.B. die X Prozess Grundtechnik, autogenes Training, PME, Yoga, Atemübung, Meditation etc.

      Bei hartnäckigen Zwangsgedanken kann anfangs auch eine professionelle Hilfe, z.B. in Form einer Kognitiven Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

      Viel Erfolg und bleiben Sie dran, denn der Weg lohnt sich :-)