Warum wir so schnell sprechen, nicht richtig zuhören und welche Technik hilft

In vielen Menschen denkt (v. a. bewertet) es die meiste Zeit, das Gedankenrad dreht sich bei ihnen schnell und ohne Unterbrechung.
Oft erkennt man das daran, dass sie (sehr) schnell sprechen, von einem Thema zum anderen springen, häufig abgelenkt sind und nicht richtig zuhören.
Anders ausgedrückt: Viele Menschen werden von einem sich ständig drehenden Gedanken- und Gefühlskarussell gesteuert, welches in der Regel von unbewussten Grundüberzeugungen angetrieben wird.
Warum wir so denken, fühlen und so handeln
Diese zentralen Überzeugungen sind tief verwurzelte Annahmen (Grundannahmen über uns, andere und die Welt), die sich aus unseren Lernerfahrungen entwickelt haben.
Zwar kommen wir mit einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Temperament auf die Welt (manche Babys sind z. B. lebhafter als andere). Unser Charakter (Persönlichkeit) wird jedoch zum großen Teil durch unsere Erfahrungen nach der Geburt geprägt (vgl. moderne Hirnforschung: Gerald Hüther).
Wenn wir beispielsweise von unseren Eltern zu wenig (oder die falsche) Aufmerksamkeit bekommen haben, häufig körperlichen oder psychischen Stress ausgesetzt waren, z. B. oft krank waren, in der Schule gehänselt oder vom Lehrer unfair behandelt worden sind, dann beeinflussen diese Erlebnisse unser gesamtes Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Verhalten meistens auf negative Art und Weise.
Aufgrund dieser Belastungen entsteht in uns schon früh im Leben eine “Geschichte über uns selbst” (= Selbstbild), z. B. “Andere sind besser als ich”, “Ich bin dumm.”, “Im Gegensatz zu anderen, muss ich mir immer alles hart erarbeiten.”, “Ich bin schwach.”, “Ich bin allein.”, “Ich darf andere nicht verärgern.”, “Ich bin nicht liebenswert.” etc.
Diese starken Überzeugungen können aber auch genauso gut in die andere Richtung gehen, obwohl auch hier oft ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Unzulänglichkeitsgefühl zugrunde liegt. Die folgenden Überzeugungen basieren lediglich auf andere Bewältigungsversuche des Betroffenen.
Beispiele: “Ich bin etwas ganz besonderes und sollte auch so behandelt werden.”, “Andere sollten mich (meine Fähigkeiten) mehr anerkennen.”, “Ich bin besser als andere.”, “Andere beneiden mich.”, “Ich habe etwas Besseres verdient.” usw.
Neben diesen Grundannahmen gibt es natürlich noch viele andere. Diese starren Überzeugungen (“So bin ich halt”) steuern nicht nur unser Denken (insb. Bewertungen), Fühlen und Verhalten, sondern sie bestimmen auch, wie wir mit uns selbst und andere Menschen umgehen.
Deshalb reden wir so schnell, hören nicht richtig zu oder lassen andere nicht ausreden
Gerade unsere gewohnten Bewertungen laufen größtenteils hinter unseren Rücken ab, weshalb die wissenschaftlich am besten erforschte Psychotherapieform, die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), hier auch von automatischen Gedanken spricht.
Normalerweise denken wir bestimmte Gedanken schon so lange und so oft, dass sie ein Teil von uns geworden sind (= Troll oder konditioniertes Ego). Obwohl wir sie nicht mehr bewusst wahrnehmen, wirken sie sich dennoch negativ auf unser Fühlen und Verhalten aus.
Beispiele für automatischen Gedanken, die typisch für Viel- und Schnellredner sind:
- Es ist wichtig, was ich zu sagen habe.
- Sie müssen es unbedingt verstehen.
- Immer komme ich zu kurz.
- Er ist bestimmt gelangweilt und hört mir gar nicht mehr richtig zu.
- Wenn ich langsamer spreche, wird sie mich unterbrechen.
- Ich halte diese Stille nicht aus.
- Ich muss sie doch unterhalten.
- Ich bin halt so, selbstbewusst, witzig, ein Anführer eben.
- Wenn ich spreche, übernehme ich die Führung und bekomme Anerkennung.
- Wenn ich das alles erzählt habe, fühle ich mich erleichtert.
- Dann merken sie hoffentlich nicht, dass ich mich in Wirklichkeit nervös, unsicher und klein fühle.
Gute Übung für mehr Ruhe und Gelassenheit
Meiner Erfahrung nach ist der Hauptgrund für zu schnelles Reden oder unkonzentriertes Zuhören, auf dem alle diese Grundannahmen und automatischen Gedanken letztendlich basieren, jedoch der, dass wir nicht Boss im Kopf sind.
Deshalb werden wir automatisch, aufgrund unserer Lernerfahrungen (Programmierungen), gedacht und fühlen bzw. reagieren entsprechend in alten negativen Mustern (= Troll).
Doch so wie wir unser Gehirn gewohnheitsmäßig benutzen, so formt es sich auch (= Neuroplastizität).
Das bedeutet, dass wir mit regelmäßigem BossImKopf Training eingefahrene (negative) Grundüberzeugungen in eine realistischere, nützlichere und lösungsorientiertere Richtung positiv verändern können.
Einen Teil Ihrer Aufmerksamkeit auf Ihre Stimme zu lenken ist beispielsweise eine einfache und bewährte Übung, die ich Ihnen dazu empfehlen kann. Sie konzentrieren sich also während Sie Ihre Worte (Sätze) aussprechen auf den Klang Ihrer Stimme oder auf die ausgesprochenen Worte.
Sie hören sich praktisch selbst zu.
Diese Technik verlangsamt und reduziert den automatischen Denkprozess, d. h. Sie bewerten sich und andere weniger. Dadurch können Sie sich besser auf das Gespräch fokussieren und auch besser zuhören, wodurch Ihre Gespräche mehr Qualität bekommen
Das BossImKopf Video: Ruhiger im Kopf, konzentrierter zuhören, gelassener reagieren
Für mehr Ruhe, Gelassenheit, Klarheit, Fokus und Konzentration im Kopf können Sie also Ihren Geist trainieren.
Welche Übungen bzw. Methode hier besonders gut geeignet sind, erzähle ich in diesem BossImKopf Video.
Außerdem erfahren Sie,
- dass Menschen mit Ängsten und Zwängen häufig sehr schnell und automatisch (unkontrolliert) denken und sprechen.
- warum der Troll (Ego) bewusstes (langsames) Sprechen nicht aushält.
- was Sie tun können, um mehr Ruhe auszustrahlen.
- wie Sie mehr Gelassenheit entwickeln können.
- wie Sie durch bewusste Pausen mehr ins Hier und Jetzt kommen.
- wie Sie aufmerksamer und bewusster werden können.
- mit welcher Methode Sie Ängste verringern können.
- wie Sie das Gedankenkarussell schneller unterbrechen können.
- wie Sie die automatischen Geschichten im Kopf eher bemerken und unterbrechen können.
- wie Sie negative Gedanken sofort verringern können.
- wie uns der Troll mit fadenscheinigen Begründungen davon abhält, uns weiterzuentwickeln.
Um das Video zu starten, klicken sie ein- oder zweimal auf das Bild unterhalb dieses Textes. Mit einem erneuten Klick können Sie jederzeit pausieren und wieder fortfahren.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Boss im Kopf werden und bleiben Sie dran, denn der richtige Weg lohnt sich :)
Franziska Luschas
Diplom Psychologin
Hallo Frau Luschas, herzlichen Dank für Ihre hilfreichen Beiträge. Sie sind mir eine große Stütze, derzeit muß ich mich von viel Vertrautem verabschieden u.a. einer langjährigen Partnerschaft und meinem alten Hund. Und jetzt habe ich mich auch noch entschlossen meinen Arbeitsplatz zu wechseln. Ich bin fast sechzig Jahre alt und werde immer wieder von Versagensängsten und starker innerer Unruhe gebeutelt, besonders jetzt. Haben Sie in dieser Situation noch einen speziellen Rat für mich?
Hallo Elfi,
ich freue mich, dass Ihnen meine BossImKopf Beiträge helfen
Bei innerer Unruhe kann ich Ihnen die X Prozess Entspannung empfehlen. Speziell zum Thema Ängste gibt es auf meinem Youtube Kanal BossImKopf eine eigene Playlist mit guten Übungen.
Außerdem empfehle ich Ihnen ein tägliches BossImKopf Ritual, damit Sie auch langfristig mehr innere Ruhe und Gelassenheit aufbauen können.
Alles Gute auf Ihrem weiteren Weg zu mehr Boss im Kopf und bleiben Sie dran, denn der Weg lohnt sich!