Positiv denken und schlecht fühlen?

Diplom-Psychologin Franziska Luschas

“Ich stolpere manchmal über das Gefühl mich selbst anzulügen, wenn ich versuche meine Bewertung zu ändern.”

schreibt jemand auf Youtube unter meinem Video ‘Entscheide selbst, wie du denken und dich fühlen willst’.

“Gibt es da auch einen Weg, wie ich aus dem Gefühl des anlügens raus komme?”

Warum sich ein neuer positiver Gedanke falsch anfühlen kann

Wenn du einen Gedanken wie zum Beispiel: “Ich bin nicht gut genug.”, schon viele Jahre (häufig schon seit der Kindheit) hörst und dann selber viele Male denkst, glaubst du ihn. Und irgendwann fühlt er sich richtig an. Du bist davon mehr oder weniger überzeugt.

Im Laufe der Jahre wird diese Überzeugung dann immer mehr ein Teil von dir; du hast dich gewissermaßen damit identifiziert (= ich-synton).

Die Gedanken-Autobahn im Gehirn zu diesem Gedankenmuster wird bei jeder Wiederholung des Gedankens: “Ich bin nicht gut genug.”, immer breiter und lässt sich noch schneller und “komfortabler fahren”.

Denn so wie wir unser Gehirn regelmäßig benutzen, so formt es sich auch (= Neuroplastizität).

Und weil der alte Gedanke wahrscheinlich negative Gefühle in dir auslöst, versuchst du ihn vielleicht in eine positive Richtung zu verändern.

Beispiele: Ich bin gut. Ich schaffe alles, was ich mir vornehme. Ich bin zuversichtlich und voller Hoffnung.

Obwohl sich die neuen Gedanken erst einmal gut anhören, fühlen sie sich meist nicht richtig an, denn die alte Gedanken-Autobahn hat sich ja durch den neuen Gedanken nicht einfach aufgelöst.  

Das alte Muster beeinflusst dich immer noch negativ, weil es unter anderem auch mit vielen anderen ähnlichen, noch aktiven, Netzwerken im Gehirn verknüpft ist.

Was kannst du also tun?

Sinnvolle, realistische Gedanken wiederholen

Am besten orientierst du dich an der Funktionsweise deines Gehirns. Denn im Gehirn schrumpfen die Bereiche (Netzwerke) umso eher weg, je weniger du sie nutzt.

Umgekehrt vernetzen sich die neuen Bereiche (neue Gedanken und Gefühle) umso stärker, je öfter du sie anwendest.

Wenn du aber von dem neuen Gedanken nicht überzeugt bist, wirst du ihn auch nicht regelmäßig wiederholen und so kann sich auch kein neues stabiles Netzwerk entwickeln.

Aber wie muss ein Gedanke aussehen, damit du ihm (und auch dein Troll ;) ) glaubst?

Er sollte der Realität entsprechen, sinnvoll und vernünftig sein.

Beispiele

Alter belastender Gedanke: Ich schaffe die Prüfung nie.

Wunschdenken/positives Denken: Ich schaffe die Prüfung auf jeden Fall. Ich schaffe alles.

Statt Wunschdenken orientierst du dich bei deinem neuen Gedanken (Alternative zum alten belastenden Gedanken) an der Realität und stellst dadurch einen Vernunfts- und Praxisbezug her.

Beispiele hierfür können sein

Ich habe bisher alle meine Prüfungen geschafft und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich auch diese schaffe.

Ich habe mich gut vorbereitet und habe dadurch eine reale Chance, die Prüfung zu bestehen.

Stelle dir also diese drei wichtigen Fragen, damit du rausfinden kannst, ob dein neuer Gedanke als echter Ersatz für den alten Gedanken geeignet ist.

1. Ist der Gedanke realitätsnah?

2. Ist der Gedanke vernünftig?

3. Fühlt sich der neue Gedanke gut an?

Wenn du alle drei Fragen mit einem Ja beantworten kannst, stehen die Chancen gut, dass du häufiger an ihn denkst :)

Und hier kannst du dir das Video: ‘Neuer positiver Gedanke fühlt sich falsch an’, ansehen.

Um das Video zu starten, klicken sie ein- oder zweimal auf das Bild unterhalb dieses Textes. Mit einem erneuten Klick können Sie jederzeit pausieren und wieder fortfahren.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Boss im Kopf werden und bleibe dran, denn der richtige Weg lohnt sich :)