Kognitive Fusion einfach erklärt – Warum Gedanken sich wie Realität anfühlen

Diplom-Psychologin Franziska Luschas
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Vielleicht kennst du das.

Du hast gute Arbeit geleistet, deine Kollegin bedankt sich für deine Hilfe, dein Chef lobt dich und trotzdem taucht dieser Gedanke auf:

“Ich bin nicht gut genug.”

Wegen diesem Gedanken fühlst du dich wahrscheinlich – trotz erfolgreicher Arbeit und Lob – unzufrieden oder sogar unzulänglich. Und diese Gefühle machen den Gedanken “Ich bin nicht gut genug.” stärker.

Emotionale Beweisführung nennt man diese kognitive Verzerrung (das bekannte Gefühl bestätigt den vorher gedachten Gedanken), die ursprünglich aus der Kognitiven Verhaltenstherapie kommt.

Kognitive Fusion – einfach erklärt

Und die emotionale Beweisführung wiederum verstärkt die Kognitive Fusion, ebenfalls ein Begriff aus der modernen Kognitiven Verhaltenstherapie.

Kognitive Fusion heißt: Wir halten unsere Gedanken, Vorstellungen oder inneren Bilder für die Realität.

Wie oben in dem Beispiel läuft – objektiv gesehen – alles gut. Aber innerlich fühlt es sich ganz anders an und deshalb glauben wir unseren Gedanken, wie zum Beispiel: “Die mögen mich nicht.“, “Kann ich denn gar nichts richtig machen?”, “Die anderen sind wieder mal besser als ich.“

In dem Moment fühlt sich das nicht wie eine Meinung an, sondern wir sind so davon überzeugt, dass es für uns eine Tatsache ist.

Aber woher kommen die negativen Gedanken?

Unser Gehirn produziert den ganzen Tag Gedanken, ganz automatisch.

Viele davon stammen aus früheren Erfahrungen, Erziehung oder alten Bewertungen. Die Lernpsychologie nennt das Konditionierung.

Das Problem ist jedoch nicht, dass diese Gedanken auftauchen.

Sondern, dass wir unseren Gedanken unkritisch vertrauen, weil wir nicht in der Lage sind, unsere Gedanken bewusst wahrzunehmen, um sie sachlich hinterfragen zu können.

Und negative Gedanken, denen wir uneingeschränkt glauben, wirken sich negativ auf unser Verhalten, unsere Gefühle v.a. dem Selbstwertgefühl und auch auf unsere Beziehungen aus.

So entstehen Stress, Unsicherheit oder Selbstzweifel, selbst dann, wenn die Realität etwas ganz anderes zeigt.

Wie kommen wir raus aus den negativen Gedanken?

Negative Gedanken zu verdrängen oder “einfach positiv zu denken” bringt auf Dauer nur wenig, das hast du wahrscheinlich selbst schon oft gemerkt.

Aber du kannst deinem “Gehirn” eine hilfreiche Strategie zeigen, dich von stressigen Gedanken besser zu distanzieren (kognitive Defusion).

“Das ist nur ein Gedanke.”

“Das ist nur eine Vorstellung.”

“Das ist wieder eine alte Überzeugung.”

Mit diesem einfachen, aber kraftvollen Mantra machst du dir zunehmend bewusst, dass dein Gedanke oder deine Vorstellung keine Tatsachen sind.

Sondern es hilft dir und deinem Gehirn immer besser zwischen Realität und alten Gedankenmustern zu unterscheiden.

Dadurch bekommst du Abstand von gewohnten negativen Gedanken.

Der Gedanke ist vielleicht noch da, aber er bestimmt nicht mehr, wie du dich fühlst oder handelst. Er verliert an Macht, so dass die Entscheidung bei dir liegt, wie du denken und wie du dich fühlen möchtest.

So übernimmst du immer mehr die Kontrolle über dein konditioniertes Denken, deine alten Denkmuster, die aufdringliche Stimme in deinem Kopf, die dir einflüstert, du zu sein.

Und genau dort beginnt der Weg, Boss im Kopf zu werden.

Gedanken lassen sich nicht vollständig kontrollieren, aber du kannst Schritt für Schritt lernen, besser damit umzugehen.

Nicht perfekt. Sondern bewusst :)

Video: Warum Gedanken sich wie Realität anfühlen

In meinem kurzen Video erkläre ich an verständlichen Beispielen, was kognitive Fusion ist und wie du dich schnell aus negativen Gedankenspiralen lösen kannst.

Klicke zum Anschauen einfach auf das Bild.

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Ich wünsche dir viel Erfolg beim Boss-im-Kopf-Werden. Und bleib dran, denn der Weg lohnt sich.

Kommentare

  1. Gabi schreibt:

    Vielen herzlichen Dank für dieses kraftvolle Video, ich glaube das ist für mich sehr sehr passend, ich merke sofort, wie es mir ein wenig besser geht

    • Franziska Luschas schreibt:

      Das freut mich :)
      Umso früher man den (belastenden) Gedanken erkennt und das “Mantra” sagt, desto weniger kann er sich “einnisten”.
      Die negativen Gefühle, die er auslöst, sind meistens noch nicht so intensiv, wodurch auch die Musterunterbrechung leichter ist.