Sind meine Gedanken richtig oder falsch? Diese Fragen helfen Ihnen bei der Antwort

Jeden Tag begegne ich Menschen, die fast jeden ihrer Gedanken glauben. Oftmals sogar mehr als der Realität.

Das geht schon frühs beim Bäcker los. Die Verkäuferin sagte gestern “Ich habe gedacht, es sind 2 Semmeln”, obwohl ich nur einige Sekunden vorher 1 Semmel gesagt habe.

Später, ich ging gerade an einer Arztpraxis vorbei, hielt eine Frau die Eingangstür auf und schaute mich erwartungsvoll an. “Ich habe gedacht, dass Sie auch hier rein wollen.”

Wenn Gedanken stärker als die Realität sind

Manchmal erlebe ich solche “Ich habe gedacht-Situationen” 10 bis 15 Mal am Tag.

Wenn es sich dabei jedoch nur um solche Kleinigkeiten handeln würde, wäre das kein Thema für BossImKopf.

Aus Erfahrung weiß ich aber, dass die meisten Menschen, dieses “Ich habe gedacht” nicht einfach abstellen können, insb. wenn es um für sie wichtige emotionale Themen geht.

Beispiele: “Ich schaffe das bestimmt nicht.”, “Er kann mich nicht leiden.”, “Sie schaut wieder auf mich herab.”, “Meine Mutter liebt mich nicht.”, “Ich bin einfach zu blöd dafür”, “Ich bin daran schuld, wenn es meinem Sohn schlecht geht.”

Diese automatischen (unkritischen) Gedanken basieren in der Regel nicht auf Beweisen bzw. Fakten, sondern sie sind häufig bloße Vermutungen. Und die glaubt man oft mehr als der Realität.

Und dann fühlen wir uns schlecht, obwohl es dafür manchmal überhaupt keinen triftigen Grund gibt.

Wie Sie “falsche” oder extreme Gedanken entlarven

Deshalb möchte ich Ihnen heute einige Fragen an die Hand geben, mit der man auch in der wissenschaftlich fundierten Kognitiven Verhaltenstherapie “dysfunktionale” (Stress auslösende) Gedanken erfolgreich hinterfragt und sie dadurch Schritt und Schritt realitätsbezogen verändern kann.

Wenn Sie diese Fragen wiederholt in Ihrem Alltag anwenden, dann werden Sie sehr wahrscheinlich schon bald feststellen, dass vieles gar nicht so “schlimm” ist, wie Sie sich vielleicht gewohnheitsmäßig vorstellen bzw. denken.

Hier nun die Fragen:

  • Ist dieser Gedanke wirklich wahr?
  • Habe ich für diesen Gedanken echte Beweise oder ist das nur eine Vermutung oder Annahme?
  • Ist dieser Gedanke hilfreich und bringt er mich weiter?
  • Ist dieser Gedanke logisch (vernünftig)?
  • Gibt es Menschen, die anders darüber denken?

Am besten, Sie probieren “Ihre Lieblingsfrage” zunächst erst einmal einige Tage bei wenig emotionalen Themen aus und schauen, wie es da klappt.

Später, wenn Sie schon achtsamer geworden sind und der “Stimme in Ihrem Kopf” nicht mehr alles glauben, können Sie sich ggf. an stressigere Gedanken wagen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Boss im Kopf werden und bleiben Sie dran, denn der Weg lohnt sich :-)

BossImKopf = Klarer denken, besser fühlen, bewusster leben

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte Sie die 5-jährige Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin am IVS Fürth. Seit 2006 hilft sie ihren Klienten "Boss im Kopf" zu werden. Ihre Arbeitsweise ist integrativ, durchaus unbequem und wirksam. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich u. unterstützt den Tierschutz.

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Artikel in:  Gedanken   

Kommentare

  1. Annabel schreibt:

    Ich habe seit der Pubertät eine Stimme im Kopf, die immer kontrolliert ob ich lesbisch sein könnte und körperliche Reaktionrn abcheckt, ich finde Frauen sexuell doch erregend und das wird dann gleich als “hab ich dir doch gesagt” abgestempelt. Ich habe Angst diese Stimme als “Troll” abzutun, weil ich dann denke nur weil ich will, dass ich nicht lesbisch bin, ist das ja nicht nicht so. Und zwangsgedanken können ja auch wahr sein… das macht mich so fertig, ich versuche mich dann von dem Gedanken zu distanzieren, bekomme dann aber sofort Panik dass ich dann herausfinde, dass er wahr ist!
    Was soll ich tun?

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Annabel,

      in fast jeden meiner über 170 Videos auf meinem YT Selbsthilfe Kanal und in über 140 Beiträgen auf BossImKopf.de sage ich, was man tun kann, um mehr Boss im Kopf zu werden.

      Ich verstehe aber auch, wenn die Gedanken/Gefühle so stark sind, dass man dieses Wissen nicht umsetzen kann. In diesem Fall kann ggf. eine professionelle Unterstützung, z.B. in Form einer guten Psychotherapie, hilfreich sein.

      Ich wünsche Ihne viel Erfolg und alles Gute.

    • Andrea schreibt:

      Hallo Annabel,

      das ist meiner Meinung nach keine einfache Frage,
      die ein Außenstehender schnell mal beantworten kann.

      Ich würde dir auch ein Gespräch mit einem Psychologen
      empfehlen, manchmal ist sogar eine erste Beratungs- stunde gratis – probier es aus, mir hat es jedenfalls
      geholfen.

      Oft kann es helfen, die eigenen (Zwangs-)Gedanken zu hinterfragen. Wie in obigem Artikel beschrieben.
      Man kann aber auch noch einen Schritt zurückgehen,
      und gewisse “Grundannahmen” anzweifeln, die zu diesen
      Gedanken führen.
      Also zum Beispiel schwarz/weiß Gedanken wie:
      “Es gibt genau 2 Kategorien von Frauen: Lesben und
      Normale. Nichts dazwischen und nichts daneben”
      Ist das wahr?
      “Wenn es sich herausstellt, dass ich eine Lesbe bin,
      wäre das eine Katastrophe. Mein Leben wäre ruiniert.”
      Ist das wahr?
      “Jede Frau die andere Frauen erotisch findet, ist
      automatisch eine Lesbe”
      Ist das wahr?

      Das sind nur Beispiele. Eigene problematische Annahmen aufzudecken, ist oft alleine sehr schwierig.
      Außerdem ist das nur eine Methode von vielen,
      die helfen kann. Deshalb: Such dir Unterstützung.

      Vielleicht hilft es auch zu wissen, dass diese
      Kategorien wie lesbisch oder hetero, irgendwann
      mal erfunden wurden – noch gar nicht so lange her.
      Vor 100 Jahren galt Heterosexualität als krankhaft.
      Also ist das ganze leider auch ein übles Gesell-
      schaftliches Dilemma.
      Hier ist ein sehr interessanter Artikel dazu:

      http://www.bbc.com/future/story/20170315-the-invention-of-heterosexuality

  2. Lara schreibt:

    Hallo Frau Luschas!

    Diese Fragen sind super! Man kann sich dadurch relativ schnell von seinen Gedanken distanzieren.

    Herzlichen Dank!
    Lara

    • Franziska Luschas schreibt:

      Gerne :-)