BossImKopf Bewusstheit: Wer bin ich denn dann, wenn ich nicht meine Gedanken bin?

von  Franziska Luschas
BossImKopf-Fragen-und-Antworten-Wer-bin-ich-ohne-Gedanken-und-Gefuehle

Vor vielen Jahren arbeitete ich als junge Psychologin auf der Akutstation in der Psychiatrie.

Zu dieser Zeit wurde auch eine etwa 30-jährige Frau mit Borderline-Störung eingeliefert. Um ihrer extremen inneren Anspannung zu entkommen, hatte sie sich wiederholt selbst verletzt. Seit etlichen Jahren, berichtete sie, laufe es immer nach Schema F ab.

Meistens finge alles damit an, dass sie sich von ihrem Partner nicht genug geliebt fühle. Die Stimme in ihrem Kopf würde dann sagen: “Siehst du, du taugst einfach nichts, sonst würde er dich nicht so wegstoßen!” Dann fühle sie sich miserabel und sei extrem angespannt.

Da sie noch immer verzweifelt schien, sagte ich zu ihr: “Sie sind nicht Ihre Gedanken”.

Für einen kurzen Moment sah sie mich erstaunt an und fragte: “Aber wer bin ich denn dann?”

Wie Sie mit der Mauseloch-Übung bewusster werden

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich ihr noch keine zufriedenstellende Antwort geben.

Heute, nach Tausenden Stunden Praxiserfahrung mit Hunderten von Klienten und regelmäßigen BossImKopf Training kann ich diese Frage relativ einfach beantworten.

Zunächst möchte ich Ihnen aber noch eine Frage stellen: Wenn Sie Ihre Gedanken sind, wer ist es denn dann, der diese Gedanken beobachtet?

Beantworten können Sie diese Frage jedoch erst, wenn Sie es schaffen, ab und zu  – und sei es nur für einige Sekunden – aus Ihrem gewohnten Gedankenrad auszusteigen.

Versuchen Sie es am besten gleich einmal, während ich Sie kurz anleite.

Lehnen Sie sich zurück und fixieren Sie eine “langweiligen” Punkt irgendwo in Ihrem Zimmer, z.B. an der Wand oder an der Decke, so dass Sie möglichst nicht abgelenkt werden. Sie können die Augen auch schließen.

Fragen Sie sich jetzt in Gedanken, “Mal sehen, was es gerade in mir denkt?” Dabei kann es hilfreich sein, wenn Sie sich Ihren Kopf als Raum vorstellen, in dem die Gedanken plötzlich auftauchen.

Bleiben Sie für die nächsten Sekunden sehr wachsam, wie eine Katze, die Mäuse jagt. Sie können sich auch ein Mauseloch vorstellen, aus dem jederzeit blitzschnell eine Maus (ein Gedanke) rauskommen kann.

Sie sind nicht Ihre Gedanken, Sie haben Gedanken

Mit dieser “Mauseloch-Übung” schärfen Sie Ihre Aufmerksamkeit und werden zugleich ein Stück weit bewusster.

Sie lösen Sie sich praktisch aus Ihrem gewohnten Gedankenstrom und werden zum Beobachter Ihrer Gedanken.

Auf diese Weise erkennen Sie, dass Sie nicht der Gedanke sind, sondern dass die Gedanken in Ihnen (= Ihrem Bewusstseinsraum) entstehen.

Denn sobald Sie den Gedanken beobachten, können Sie nicht mehr zu 100% der Gedanke sein, weil ein Gedanke sich nicht selbst erkennen kann.

Es muss praktisch noch eine Instanz geben, die oberhalb des Gedankens (des Denkens) liegt und den Gedanken als Gedanken wahrnimmt.

Indem Sie also erkennen, “es ist nur ein Gedanke“, verlieren Ihre Gedanken einen Teil ihrer gewohnten Ernsthaftigkeit und Schwere.

Dadurch schaffen Sie einen gesunden Abstand zu Ihrem konditionierten, oftmals negativem Denken und Ihr Leben fühlt sich einfacher, leichter und entspannter an.

Wie Sie sich aus Ihrem negativen Denken befreien können

Vielleicht sagt ein Gedanke bald wieder in Ihnen, “Ich bin nicht gut genug” oder etwas ähnlich Negatives.

Umso mehr Sie Ihre Achtsamkeit, zum Beispiel mithilfe der Mauseloch-Übung, durch eine Atem-Meditation oder durch Konzentration auf das Hier und Jetzt stärken, desto schneller sind Sie in der Lage, solche Gedanken zu bemerken, zu unterbrechen bzw. abzuschwächen.

Und dann müssen Sie sich nicht mehr von Ihren konditionierten Gedanken quälen lassen, sondern Sie entscheiden dann (= Boss im Kopf), wie Sie Ihr Gehirn benutzen, was Sie denken, wie Sie sich fühlen und verhalten wollen!

Sobald Sie also einen stressigen Gedanken in sich wahrnehmen, zum Beispiel: “Ich bin nicht gut genug”, können Sie zu sich sagen: Es ist nur ein Gedanke!

Manchmal erkennen Sie den Gedanken vielleicht erst später, so dass er sich schon in Ihnen ausgebreitet hat und Sie sich schlecht fühlen. In diesem Fall können Sie sagen: Es ist nur ein Gefühl!

Und wenn der negative Gedanke oder das schlechte Gefühl schon ziemlich stark sind, dann hilft Ihnen die X Prozess Grundtechnik, dieses alte Muster schnell und wirksam zu unterbrechen.

Hauptsache Sie unterbrechen dieses selbstschädliche Denken und Fühlen, sobald Sie es bemerken, denn nur dann verändern sich auch die alten Strukturen in Ihrem Gehirn (= Neuroplastizität).

Das BossImKopf Bewusstheits-Video: Sie sind nicht Ihre Gedanken, Sie haben Gedanken

Im folgenden BossImKopf Video antworte ich auf die Frage der Borderline-Patientin und zwar “tief und gleichzeitig nachvollziehbar”, wie eine Youtube Abonnentin im Kommentarbereich schrieb :-)

Außerdem erfahren Sie,

  • dass Eckhart Tolle – meiner Meinung nach – den konditionierten Verstand einfach, treffend und humorvoll beschreibt.
  • dass ich die Botschaft von Eckhart Tolle erst nicht verstanden habe.
  • welches Buch ich von E. Tolle empfehlen kann.
  • dass es zwischen “Ich bin meine Gedanken und Gefühle” und “Ich habe Gedanken und Gefühle” einen großen Unterschied gibt.
  • dass ein Gedanke sich nicht selbst als Gedanken erkennen kann.
  • dass viele Menschen in einem gedanklichen (Alb-)Traum leben.
  • dass die Gedanken im Kopf sehr real erscheinen und Angst machen, wenn wir nicht bewusst genug sind.
  • dass manche Menschen durch schweres Unglück, großes Leid und Schmerz aus ihrem Albtraum erwachen.
  • dass wir das Bewusstsein, der Raum sind, in dem Gedanken und Gefühle entstehen.
  • dass Sie Ihren konditionierten Gedanken hilflos ausgeliefert sind, wenn Sie nicht bewusst wahrnehmen, dass Sie denken.
  • dass ein Gedanke, der in mir aufsteigt, nicht dasselbe wie ich sein kann.
  • warum es für mehr Lebensfreude und ein gutes Leben so wichtig ist, dass Sie Ihre Gedanken und Gefühle bewusst erkennen.
  • welche Übungen sehr gut geeignet sind, mehr Bewusstheit, mehr Achtsamkeit zu lernen.
  • dass unser wahres Leben ohne den konditionierten Filter der Vergangenheit häufig einfacher und befreiter ist.

Um das Video zu starten, klicken sie ein- oder zweimal auf das Bild unterhalb dieses Textes. Mit einem erneuten Klick können Sie jederzeit pausieren und wieder fortfahren.

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Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Boss im Kopf werden und bleibe weiter dran, denn der richtige Weg lohnt sich :-)

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie erfolgreich die 5-jährige Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin am IVS Fürth. Seit 2006 hilft sie ihren Klienten "Boss im Kopf" zu werden. Ihre Arbeitsweise ist integrativ, durchaus unbequem und wirksam. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich u. unterstützt den Tierschutz.

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Kommentare

  1. Christine schreibt:

    Bin sehr dankbar für die wertvollen Vidios „Boss Im Kopf“ ich kann jetzt mit meinen Problemen besser umgehen, bin überzeugt ganz gesund zu werden Danke Frau Luschka

    • Franziska Luschas schreibt:

      Ja, und bleiben Sie weiter dran, denn unser Gehirn formt sich so, wie wir es regelmäßig benutzen :)

  2. Mala schreibt:

    Hallo Franziska,

    Ich danke dir für diese klaren Anleitungen, Videos und Tipps. Bereits zweimal hat mich das falsche Denken in eine paranoide Schizophrenie geführt aus der ich nur mit Medikamenten wieder heraus kam. Eine Therapie konnte ich hier wo ich lebe nicht machen. Dank deiner Schritt für Schritt Erklärungen erkenne ich endlich mein Problem und kann dies an der Wurzel heilen – auch wenn es seine Zeit dauern wird den Kopf “umzuprogrammieren” und sich dessen immer wieder BEWUSST zu werden. Vielen Dank!

    Vielen Dank auch, das du dein (wertvolles) Wissen auch kostenlos zur Verfügung stellst – du solltest es in einem Buch zusammenfassen und veröffentlichen.

    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute!

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Mala,

      ich freue mich, dass dir die praktisch gemachten BossImKopf Methoden dabei helfen, bewusster zu werden :-)

      Ja, und das mit dem Buch ist eine gute Idee, deshalb bin ich seit einigen Wochen an einem “Troll-Leitfaden” dran.

      Auch dir wünsche ich weiterhin viel Erfolg und alles Gute auf deinem Weg zu mehr Klarheit und Lebensfreude.

      Viele Grüße aus dem stürmischen Fürth

  3. Bettina schreibt:

    Es gibt noch immer Momente, in denen ich mich mit meinen Gedanken identifiziere. Aber es sind immer weniger und der Vorgang als solches wird mir schneller bewusst. In belastenden oder kritischen Momenten bleibe ich dadurch weniger lange gefangen und kann mich auf ein Auf-Lösung des Problems konzentrieren. LG Bettina

    • Franziska Luschas schreibt:

      Danke für diese wertvolle Erfahrung, Bettina :-)

      Das ist menschlich, dass negative Gedanken hochkommen und man sich auch mal schlecht fühlt.

      Und wie du schon schreibst, ist es möglich, sich auch in kritischen Momenten bewusst zu entscheiden, aus dem gewohnten Drama im Kopf auszusteigen.

      Die Voraussetzung dafür ist jedoch ein Mindestmaß an Bewusstheit (Achtsamkeit), die man trainieren kann.

      Viele Grüße