Angst durch körperliche Symptome – So kannst du den Teufelskreis stoppen

Illustration: Nach einer Idee der Autorin mit Unterstützung von ChatGPT erstellt.
Vielleicht spürst du einen Druck in der Brust, hast Herzklopfen, Kopfschmerzen, dir ist schwindlig oder in deinen Armen und Beinen kribbelt es. Panik kommt in dir hoch und du fragst dich: Was ist, wenn ich unheilbar krank bin?
Menschen mit Krankheitsängsten sind oft in einer Angstspirale gefangen:
Ein körperliches Symptom triggert den Gedanken „Da stimmt was nicht.“ Dieser Gedanke löst Angst aus. Dadurch nehmen Anspannung und körperliche Symptome weiter, so dass der Gedanke „Da stimmt was nicht“ noch bedrohlicher, aber vor allem noch glaubhafter wirkt.
Typische Gedanken bei Krankheitsängsten
Weil körperliche (Miss-)Empfindungen schnell entstehen und direkt spürbar sind, werden sie oft als Warnsignal missverstanden.
Das gewohnte Gedankenrad springt wieder an:
- Was ist, wenn das ein Tumor ist?
- Was ist, wenn ich einen Schlaganfall habe?
- Was ist, wenn ich schwer krank bin?
Und weil man die Angst ja fühlen und die körperlichen Reaktionen tatsächlich spüren kann, ist der Gedanke für viele absolut wahr. Die Psychologie spricht hier auch von „emotionaler Beweisführung” oder „emotionales Schlussfolgern“.
Was ist emotionale Beweisführung
Damit ist gemeint, dass ein Gefühl oder eine körperliche Reaktion automatisch als Beweis gesehen wird, dass der angstmachende Gedanke wahr sein muss.
Beispiel:
Dein Körper reagiert auf “normalen” Stress (gedanklich oder von außen), der dir nicht einmal bewusst sein muss. Du nimmst diese Reaktion jedoch wahr.
Dein (programmierter) Verstand sucht einen Grund dafür und “entscheidet” sich für das Schlimmste: „Das ist bestimmt etwas Gefährliches“.
Darauf reagiert dein Körper mit Angst, Anspannung, Herzklopfen und Unruhe.
Diese körperlichen Symptome werden dann gedanklich so interpretiert:
„Es fühlt sich so schlimm an, also muss es wirklich gefährlich sein.“
Das Gefühl ist für dich also der Beweis, dass dein Gedanke, „Das ist bestimmt etwas Gefährliches“, wahr ist.
Der wissenschaftlich gut erforschte Zusammenhang zwischen Gedanken und Gefühlen lässt in Wirklichkeit aber auf etwas anderes schließen. Nämlich, dass deine Gefühle und körperlichen Reaktionen nur eine ganz normale Reaktion auf den vorausgegangen Angstgedanken sind.
So entsteht der Teufelskreis
Wenn ein körperliches Symptom Angst auslöst und der Gedanke sofort unkritisch geglaubt wird, entsteht oft diese Angstspirale:
Körperliches Symptom → negativer Gedanke (oft gelerntes Katastrophendenken) → Angst → Körper reagiert noch stärker → negativer Gedanke wird intensiver und glaubhafter → körperliche Reaktionen nehmen weiter zu …
Je häufiger dieser Kreislauf abläuft, desto mehr automatisiert er sich.
Der erste wichtige Schritt: den Gedanken sichtbar machen
Wenn du merkst, dass ein Symptom bei dir Angst auslöst, hilft es oft, den Gedanken hinter der Angst klar zu benennen.
Nicht nur:
„Ich habe Angst.“
Sondern genauer:
„Ich bin bestimmt schwer krank.“
Das ist wichtig. Denn erst wenn der Gedanke klar erkennbar ist, kann er auch gezielt überprüft werden.
Das BossImKopf Frageschema: 4 Fragen für mehr Klarheit im Kopf
Ein einfacher Realitätscheck kann helfen, deine Angstgedanken zu hinterfragen, statt ihnen sofort zu glauben.
- Stimmt das wirklich?
Ist das, was du gerade befürchtest, wirklich wahr? - Wie geht es mir mit diesem Gedanken?
Macht er dich ruhiger und klarer oder verstärkt er deine Angst und Anspannung? - Hilft mir der Gedanke?
Unterstützt er dich im Umgang mit der Situation oder zieht er dich tiefer in den Teufelskreis? - Was könnte ich stattdessen denken?
Zum Beispiel: „Ich spüre gerade ein Symptom und mein Kopf reagiert mit Angst. Das ist noch kein Beweis für eine Katastrophe.“

Illustration: Nach einer Idee der Autorin mit Unterstützung von ChatGPT erstellt.
Warum Wiederholung so wichtig ist
Dieses Frageschema wirkt natürlich nicht wie ein Schalter, den du einmal drückst und alles ist wieder gut.
Denn so funktioniert unser Gehirn nicht.
Angst läuft meist auf alten, breiten und vertrauten Bahnen ab. Umso öfter ein Muster wiederholt wurde, desto schneller springt es an. Deshalb hilft es, die vier Fragen nicht nur einmal, sondern mehrfach hintereinander durchzugehen, zum Beispiel drei bis fünf Mal.
Wiederholung ist wichtig, weil dadurch nicht nur alte Angstmuster bewusst unterbrochen, sondern auch neue bessere Wege systematisch eingeübt werden können.
Was Neuroplastizität damit zu tun hat
Aus neurobiologischer Sicht ist das gut nachvollziehbar. Das Gehirn verändert sich durch das, was regelmäßig gedacht, gefühlt und wiederholt wird. Dieser Prozess wird als Neuroplastizität bezeichnet.
Vereinfacht gesagt: Bahnen, die oft benutzt werden, werden leichter zugänglich. Bahnen, die seltener benutzt werden, werden schwächer.
Wenn also immer wieder automatisch die gleichen Angstgedanken aktiviert werden, stabilisiert sich genau dieses Muster. Wenn du dagegen dieses Angstmuster sofort und wiederholt unterbrichst und die angstmachenden Gedanken systematisch überprüfst, können sich mit der Zeit neue hilfreiche Denkgewohnheiten bilden. Deine Gedanken werden logischer und lösungsorientierter, wodurch du auch bessere Entscheidungen treffen kannst.
Wenn die Angst schon sehr stark ist
Wenn du jedoch schon voll in der Panik steckst, ist ein systematisches Gedanken hinterfragen kaum mehr möglich. Um wieder auf deinen PC (= Präfrontaler Cortex, der Teil deines Gehirns, der u.a. für das vernünftige Denken/Problemlösen zuständig ist) zugreifen zu können, musst du dich erstmal runterfahren.
Dein Nervensystem braucht zuerst Beruhigung und Stabilisierung. Erst wenn die innere Anspannung etwas sinkt, wird dein Kopf wieder zugänglicher für einen Realitätscheck.
Eine der besten Entspannungsmethoden, die ich kenne, ist die X Prozess Grundtechnik. Diese einfache, schnelle und vor allem wirksame Entspannungstechnik hat sich besonders bei Ängsten bewährt.
Fazit
Wenn körperliche Symptome (automatisch) Angst auslösen, entsteht oft ein Teufelskreis aus körperlichen Reaktionen, negativen Gedanken, noch mehr Angst und innere Anspannung bis hin zur Panik.
Ein zentraler Punkt dabei ist die emotionale Beweisführung: Der belastende Gedanke fühlt sich wahr an, weil er (starke) Angst auslöst. Doch Angst ist nicht automatisch ein Beweis für reale Gefahr, sondern lediglich eine logische Konsequenz deines Angstgedankens. Denn negative Gedanken führen zu negativen Gefühlen und Körperreaktionen (vgl. ABC-Modell).
Wenn du lernst, den Stressgedanken hinter dem Gefühl zu erkennen, ihn mit dem BossImKopf Frageschema wiederholt zu prüfen, kann sich dein angstauslösendes Denken zunehmend in eine entspannte Richtung verändern.
Ich wünsche dir viel Erfolg dabei
Deine Erfahrungen dazu interessieren mich. Schreibe sie gerne in die Kommentare.
Wichtiger Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und der Hilfe zur Selbsthilfe. Sie ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik, Beratung oder Behandlung. Bei psychischen oder körperlichen Beschwerden sollte stets eine fachliche Abklärung erfolgen oder professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden.
Video: Raus aus der gewohnten Angstspirale
In diesem Video erkläre ich, wie aus einem körperlichen Symptom eine Angstspirale werden kann, was emotionale Beweisführung bedeutet und wie dir das BossImKopf Frageschema helfen kann, wieder ruhiger zu werden.
Klicke zum Anschauen einfach auf das Bild.
